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Marcel-Martin Kuhnt
Geboren in Weimar
Studium in Weimar, Agraringeneur
Viele Jahre in Fürstenwerder (Meckl.Vorp.)
anschließend 
Erfurt
Schriftsteller und Verleger als Hobby
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"Aber er war Zweibeweibt" 

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Leseprobe

Der Zweibeweibte Graf

2.Kapitel

 

Besucher

„Wo ist Bertha?“ fragte Graf Ernst, seinen Leibdiener Franz, der grade mit der neuen Wärmepfanne hereingekommen war. „Gewiss ist eure Gemahlin in ihrer Kemenate, heute erwartet sie doch ihren Bruder Albrecht. Die Orlamünder liegen doch wieder im Streit mit dem Landgrafen!“ Der Landgraf will auch immer mehr, als ihm zusteht, dachte Ernst aber nur. Sein Herr, der Erzbischof zu Mainz und Erfurt, Siegfried II. von Eppstein, hatte erst vor kurzen gewarnt, dass es schwierig werden könnte, da eine Verstärkung des Kreuzfahrerheeres unaufschiebbar wird. Rom hat mit Kaiser Friedrich keine Geduld mehr. So werden auch die Landeskinder wohl oder übel bald losziehen müssen. Als sich Ernst vorstellte, dass die Orlamünder sich dem Landgrafen unterstellen müssen, um mit Kaiser Friedrich in das Heilige Land zu ziehen, zog ein breites Grinsen um seinen Mund. Die Verwandtschaft kann man sich eben nicht aussuchen. Aber mit Bertha war alles abgemacht und schon von den Schreibern auf Pergament gebracht und Siegfried vorgelegt. Ernst wusste genau, bald würden die Schreiben eintreffen und bis dahin muss alles geregelt sein. So ein Kreuzzug war nicht ohne. Manche der Ritter war reich beladen, aus dem Heiligen Land zurückgekehrt, andere gar nicht. Wenn wenigstens das Schicksal geklärt war, noch gut. In vielen Fällen aber, war nicht bekannt, Gefangen, Tod, oder in die Sklaverei verschleppt? Sein Freund, Ritter Holt von Thalleben, hat berichtet, dass es auch Christen gibt, denen das Geld ausgegangen und sie im fremden Land ihr da sein fristeten, bis sie endlich, nach Jahren, wieder heim gelangen. Manche der Heimkehrer sind da wohl nicht sehr gelitten, da alles neu geregelt! Die Edle von Kirchheim wurde mit ihrem Buhlen enthauptet, da sie einen Meuchler gedungen, um den heimgekehrten Gatten loszuwerden. Volle fünfzehn Jahre hat der Ärmste gebraucht, um in die Heimat zurückzukehren. Dank seines kampferprobten Knappen, konnten sie die Mörder niederwerfen und diese verrieten ihre Auftraggeber. 

Zusammen mit seinem Freund, hat Ernst den Plan gefasst, den Bruder seiner Frau, Otto, zu seinem Vertreter zu machen. Der passt auf, dass seine Schwester, die Bertha, keusch bleibt und selbst ist er nicht erbberechtigt. ‚Als Onkel wird er schwören, meinen Sohn zum rechtmäßigen Erbe zu verhelfen.‘ dachte Ernst als seine Gemahlin Bertha eintrat. „Was schaust du so betrübt? Die Ersten Frühlingsboten sind zu sehen, schau die Weidenkätzchen schieben schon!“ sagte sie mit einem Lächeln, stellte sie die Vase mit den Zweigen in die Ecke der Kemenate. Unter ihrer dunklen Kappe, quollen die strohblonden Haare hervor. Sie hat strahlend blauen Augen, pralle rote Lippen die sich zu einem Lächeln geöffnet haben. Ihren üppigen Busen hat sie unter einem dicken Wollumhang verborgen. Dieser wurde von einem breiten Gürtel gehalten, den eine silberne Schnalle zierte. Als sich Bertha wiederaufrichtete, konnte man gut erkennen, dass sie ein prächtiges Weib ist, mit allen ausgestattet was ein Weib haben muss. Gott hat es mit ihr gut gemeint! „Am liebsten würde ich jetzt…,“ begann Ernst und versuchte Franz mit einem Blick aus dem Zimmer zu vertreiben.

Dieser aber stellte sich, oder war er blind? Bertha fühlte sofort den Begehr ihres Gatten. „Ach mein Lieber, sogleich wird mein Bruder erscheinen, die Zugbrücke hat er soeben passiert, habe ich gesehen.“

„Franz geh ihn begrüßen, er möge warten, ich habe mit meiner Gemahlin noch etwas zu besprechen.“ „Sehr wohl Herr!“ antwortete Franz. Öffnete die Tür, drehte sich aber nochmal um, da er fragen wollte, wie lange die Unterredung dauert. In diesen Augenblick viel ein Gürtel mit Schnalle klirrend zu Boden. 

Damit waren alle Fragen erledigt. Kreuzfahrer müssen, wenn sie Pech haben, viele Jahre keusch leben, dachte sich Franz und war froh nicht mit ziehen zu müssen. 

Otto von Orlamünde ließ sich Zeit, er besichtigte die Burg Gleichen. Große Vorburg mit Zugbrücke, ein mächtiger Wehrturm, sowie ein, gut zu verteidigendem Torhause, konnte er sehen. Er kam gradewegs vom Mainzer Erzbischof, der ihn mächtig gerupft hat. Da er den Ernst vertritt, nicht mitzieht, muss er zahlen! Mehr noch, wie die Kreuzfahrsteuer und die Ablösungszahlung für Albrecht, schmerzt ihm, dass er seiner Schwester nur gleichgestellt, über sie also nicht gebieten kann. Das war viel schlimmer. Ein Orlamünder unter dem Befehl des Landgrafen, das ist unmöglich, so zahlen sie lieber. Der Ernst von Gleichen zählt ja zur Familie. Seit der Heirat, ihrer Schwester, mit dem Ernst, haben sich die Beziehungen zum Erzbischof verbessert. Der war im Reich aufgestiegen, da er es war, der Friedrich II. im Jahr 1220 gekrönt hat.


Rechts sehen wir die Ruine der Burg Gleichen---------------------->

Wer kennt sie, die Sage vom Graf Ernst von Gleichen 1180 – 1246? Der Ernst, der gleich mit zwei Frauen beerdigt wurde, in der Peterskirche zu Erfurt. Sein Grabmal wurde bei der französischen Besetzung, die Preußen griffen an, von der Peterskirche, in den Dom zu Erfurt verbracht, wo es sich noch heute befindet.

Die Sage geht dahin, dass der Ernst, verheiratet mit einer Ottilia oder Bertha an einem Kreuzzug gegen die Sarazenen teilnahm. Gefangen wurde, durch eine Sarazenin befreit, sie mitnahm nach Thüringen, und dort dann auf der Burg Gleichen, bis zu seinem Ende, eben mit zwei Frauen lebte.

Wer glaubt alles zu wissen, über die Sage des Grafen von Gleichen, wird durch dieses Buch vielleicht eines Besseren belehrt! Viele Fakten sind bekannt, manche Kleinigkeit jedoch hat man übersehen! Ehrlich, wirklich? Das Auffälligste aber zunächst, ist das Wappen des Grafen, auf seiner Grabplatte. Hat da denn wirklich nie jemand so genau hingeschaut? Der Löwe auf dem Schild! Nichts aufgefallen? Normal beim Wappen der Grafen von Gleichen ist, die seitliche Ansicht eines Löwen, mit Zunge! Der Graf Gleichen der Grabplatte hat in seinem Wappen eine Draufsicht, auf den Kopf, mit ausgestreckter Zunge. Eine ähnliche Darstellung befindet sich im Renaissanceportal der Burg Gleichen. Er steckt uns also die Zunge raus, der Leu! Oder ist es Absicht des Grafen?

Also ist unser Graf, an Hand von seinem Wappen, immer wieder zu erkennen. Gewiss und belegt ist, im März 1221 weilt Ernst von Gleichen, in Augsburg, beim Sohn des Friedrich II., Heinrich.

Im April des gleichen Jahres ist er in Tarent, in Italien, am Hofe Friedrich des II., angekommen. Tarent ist zugleich Hafen und Ausschiffungsort zum Kreuzzug nach Ägypten. Ob er je nach Ägypten übergesetzt ist, kann nicht belegt werden, aber sogleich ein Jahr später im März 1222 ist eine Schenkung Friedrichs des II. an Ernst von Gleichen, für die Mitwirkung am Kreuzzug, beurkundet. Bis dahin hat aber Friedrich II. keinen Fuß auf sarazenischen Boden gesetzt. War Ernst gar nicht im Heiligen Land? Im Jahre 1221 war die Niederlage des Kreuzfahrerheers mit der Räumung der Stadt Damiette besiegelt. 

Friedrich wollte 1227 endlich ins gelobte Land ziehen, aber er wurde krank und in seinem Heer wüteten die schlimmste Seuche. Durch sie kam auch der Landgraf von Thüringen Ludwig IV., Gemahl der heiligen Elisabeth, um. War die Schenkung 1222 verbunden mit der Teilnahme, die bis jetzt ja nicht stattgefunden hatte? Oder stimmt das Datum auf der Urkunde nicht? Erst 1228 begann der Kreuzzug und war sogar erfolgreich und ohne größeres Blutvergießen ausgegangen. In Verhandlungen, mit Sultan Al Kamil, hat Friedrich die Städte Jerusalem, Bethlehem und Nazareth für die Christenheit zurückerhalten. Nur die Al-Aqsa-Moschee blieb den Sarazenen.

Am 10.Juni 1229 landete Friedrich wieder in Italien, in Brindisi.

Dass sind die Fakten, aber wer will immer nur Fakten, eine schöne Geschichte, wie es hätte sein können, hat auch ihren Reiz. 


 

Viele haben sich der Geschichte angenommen, sogar der geheime Rat Goethe hat sich, mit „Stella. Ein Schauspiel für Liebende“ der Sage angenommen. „Eine Wohnung, ein Bett ein Grab“ als Untertitel der Erstfassung 1775. Wurde von ihm, als Trauerspiel, 1806 umgeschrieben.

Opernfassung:    Franz Schubert, Completed by R. Dünster

Musical Fassung im Mai 2006 Musik Peter Frank Text Dirk Schattner/ Helen Davies

Julius von Soden, Graf Gleichen Gatte, zweier Weiber 1791

Wilhelm Schmidtbonn Der Graf von Gleichen 1908

Herzog Rudolf, Roman Der Graf von Gleichen 1909 (Nur der Titel)

In der letzten Zeit, ist mir auch ein Laienschauspiel bekannt geworden, Heimatverein Bienstedt,07.2019, dass die Geschichte auf lustige Art dargestellt hat.
Herr Dirk Koch aus Ingersleben( 2020) hat eine Umfangreiche Recherche unter dem Titel "Liebe zu Dritt" um die Verbreitung der Sage erstellt.

Noch eine Leseprobe (Bertha war zur Wartburg gereist um mit Elisabeth für die Heimkehr der Gatten zu beten.)

 Als alle aufgestanden waren, ging Elisabeth auf Bertha zu und fragte: „Wollt ihr mich begleiten? Ich möchte einen kleinen Spaziergang machen.“ Ehe Bertha antworten konnte, hakte sich Elisabeth bei Bertha ein und beide schritten zusammen durch das Tor, hinunter zum Dorf. Was heißt Dorf, es war ein Spital. Ritter Ralf der nicht von Berthas Seite weichen sollte, wurde durch die Landgräfin zurückgeschickt. „Hier gibt es keine bösen Buben, nur bedürftige, liebe Menschen!“ Obwohl es Sommer war, wehte ein kühles Lüftchen. Der Himmel war stark bewölkt und das Wetter, eher November, als Anfang September. Die Landgräfin war mit einer Art Mönchskutte bekleidet. Bertha hat sich, vorsichtshalber, den warmen Wollmantel, übergezogen. Als plötzlich ein Geschrei einsetzte. „Mein Umhang, mein schöner Umhang!“ rief da eine Frau. Eine Männerstimme: „Bist selbst schuld, du dummes Huhn! Bezahl deine Schulden, dann wäre dein Umhang heil geblieben, denn ich muss dich halten, bis Bauer Ralf eintrifft, er soll entscheiden!“ Beide Frauen bogen um die Ecke und sahen, wie ein roher Landsknecht, eine Frau festhielt. Ein Fetzen Stoff lag am Boden, war wohl besagter Umhang. „Was geht hier vor!“ fragte die Landgräfin mit einer strenge, die Bertha ihr nie zugetraut hätte. Der Landsknecht erkannte die Gräfin und machte eine Verbeugung, hielt die Frau aber dennoch fest. „Das Weib hier, schuldet Bauer Roland einen Taler, das Korn hat sie genommen, aber nicht bezahlt. Ich soll sie halten, er will dann entscheiden!“ stotterte er los, wohl war ihm bewusst, dass er unrecht tat, was ihm die Gräfin auch umgehend bestätigte: „Recht spricht der Landgraf, niemand anders, es sei denn, er ist beauftragt!“ „Was soll ich machen, er hat mich bezahlt…“ Da keifte die Frau los: „Nichts schulde ich dem Roland! Als ich das Getreide bestellt habe, sollte es Fünf Kreuzer kosten, nach dem ich es abgeholt habe, plötzlich will er einen ganzen Thaler. Fünf Tage habe ich für ihn gearbeitet und es war abgemacht pro Tag einen Kreuzer!“ „Faul war sie, mehr gefressen wie gearbeitet!“ brüllte da ein beleibter Mann, der Bauer Roland war auch erschienen. Eine große Menschenansammlung hatte sich eingefunden. Alle gafften und rückten immer näher, um zu sehen was los ist. Bertha wurde es unwohl, hätte sie bloß Ritter Ralf dabei! Elisabeth hob den Arm und sprach: „Frau, sage welche Arbeiten hast du bei dem Bauern verrichtet!“ Die Frau fing sofort an: „Erster Tag, Koben der Schweine gereinigt, danach den Mist aus dem Kuhstall entfernt, …!“ Die Frau redete ohne Unterlass und zählte die verschiedensten Arbeiten auf die sie getätigt hatte. Je mehr sie aufzählte, umso mehr murrte das Volk, welches sich versammelt hatte! Als sie geendet, fragte Elisabeth den Bauern: „Was hat sie gegessen, dass du so viel auf den Preis aufschlagen willst?“ „Grütze!“ Da setzte ein Johlen der Umstehenden ein. „Aber eimerweise!“ Wollte der Bauer sich aus der Affäre ziehen. „Die Frau sieht aber nicht aus, ob sie eimerweise Grütze gegessen hat!“ warf Elisabeth ein. Die Frau war wahrlich eine hagere Erscheinung. „Ihre fünf Bälger habe ich ja auch mit durchgefüttert!“ entgegnete der Bauer. „Ja,“ sprach darauf die Frau, „Gott hat mich mit fünf Kindern gesegnet, drei Jungen und zwei Mädchen, aber seht selbst, wie viel können so kleine Kinder essen?“ Dabei zeigte sie auf die Kleinen, die sich nun an sie klammerten. „Seid ihr satt geworden, beim Bauern?“ fragte Elisabeth den ersten Knaben, der wohl der Älteste war. Zum Entsetzen der Frau sprach der Junge: „Ja Herrin, wir konnten essen.“ „Ob ihr satt abends wart?“ fragte Elisabeth nach, aber das Kind fing an zu weinen und alle anderen Kinder der Frau vielen mit ein, in den Jammer. „Seht Herrin, dass sie mit fünf Kindern auftaucht, davon war keine Rede! Ich bestehe auf meinen Taler!“ „Ihr seid kein guter Mensch!“ sagte Elisabet in einem ganz ruhigen Ton, „grade Kinder sind Gottes Segen, denn sie werden uns ernähren, wenn unsere Hände nicht mehr können. Darum muss unsere Fürsorge grade ihnen gelten. Da du sie aber verköstigt hast, sei dir verziehen, hier der Taler und troll dich!“ Elisabeth warf dem Bauern einen Taler vor die Füße. Der griff sich den Taler und zog mit seinem Knecht davon. Die Frau warf sich Elisabeth vor die Füße und jammerte: „Was soll nur werden, der Winter wird kommen und mein Umhang liegt in Fetzen!“ Bertha sah mit Schrecken, dass Elisabeth sich ihres Büßergewandes entledigen wollte. „Nein, nein!“ rief Bertha und drängte Elisabeth zurück. Löste den Gürtel ihres Umhanges und legte diesen der Frau um. „Den Gürtel aber, möchte ich behalten, Erinnerung an meinen Ernst!“ Ihr weißes Unterkleid ließ sie fast wie eine Madonna erscheinen. Die Frau rief ganz laut: „Danke, danke, der Herrgott selbst hat euch geschickt. Ein Strick wird sich finden, wenn euch der Gürtel viel bedeutet!“ „Nicht Gott hat mich gesandt, eure Herrin hat mich eingeladen.“ Elisabeth umfasste Bertha und sagte ihr leise: „Habt ihr nicht gemerkt, dass Gott zu euch gesprochen hat? Hat nicht er euer Herz gerührt, dass ihr euren Mantel weggeschenkt habt?“ Bertha sah Elisabeth mit großen Augen an und sagte ganz gerührt: „Gott, ihr, euer Handeln, es war so plötzlich in mir, der Frau zu helfen. Aber den Gürtel will ich nicht missen!“ „Warum? Wenn wir vor Gott treten besitzen wir nichts, und wenn wir uns jetzt von dem trennen, was überflüssiger Tand ist, sind wir doch Gott näher!“ „Den Gürtel,“ flüsterte Bertha Elisabeth zu, „löste zuletzt mein Gatte, durch ihn ist er bei mir, könnt ihr das verstehen?“ Die Menschen hatten sich davon gemacht, jeder ging seinem Tagewerk wieder nach. Elisabeth umarmte Bertha ganz fest und antwortete auch ganz leise: „Ja, nur zu gut, gebt ihn nie aus der Hand, ich wollt ich hätte auch so einen Gürtel…“ 

es geht weiter.....